Wildpark-West
In der Henning-von-Treskow-Kaserne, die heute das Einsatzführungskommando für Auslandseinsätze der Bundeswehr beherbergt, befand sich von 1939 bis 1943 der Generalstab der Luftwaffe. Dort arbeitete 1941 Harro Schulze-Boysen, der den Oberregierungsrat im Wirtschaftsministerium, Arvid Harnack, über die im Januar 1941 beginnenden Planungen zum militärischen Angriff auf die Sowjetunion unterrichtete. Schulze-Boysen lernte bei Harnack einen sowjetischen Diplomaten kennen und informierte ihn über die deutschen Angriffspläne. Stalin glaubte diesen Warnungen nicht und bezeichnete den deutschen Luftwaffenoffizier als „Desinformator“.
Im Frühjahr 1941 erarbeitet Schulze-Boysen eine historischen Studie über Napoleon. Darin verdeutlichte er die Parallelen zwischen der Invasion Napoleons in Russland und deren Scheitern mit den Plänen Hitlers für einen neuen Russlandfeldzug.
Biographische Angaben:
Harro Schulze-Boysen, am 2. September 1909 geboren, ein Großneffe des Admirals Alfred von Tirpitz, studiert in Berlin und hat 1932/33 als Herausgeber der Zeitschrift "gegner" vielfältige Kontakte in politisch unterschiedliche Lager. Nach dem Verbot des "gegner" und kurzfristiger Haft in einem SA-Folterkeller beginnt er im Mai 1933 eine Ausbildung an der Fliegerschule in Warnemünde. Seit April 1934 im Luftfahrtministerium tätig, bildet sich Mitte der dreißiger Jahre ein Freundes- und Widerstandskreis, dem seine Frau Libertas, Elfriede Paul, Walter Küchenmeister, Elisabeth und Kurt Schumacher und andere angehören. Schulze-Boysen ist bereit, den Kontakt nach Moskau während der Kriegszeit über ein Funkgerät aufrechtzuerhalten. Technische Probleme verhindern die Aufnahme des Sendebetriebes. Er gewinnt neue Mitstreiter, beteiligt sich an der Ausarbeitung von Flugschriften, an einer Zettelklebeaktion, hilft Verfolgten und hat Kontakte zu zahlreichen Hitler-Gegnern. Aus einem dechiffrierten Telegramm erfährt die Gestapo Namen und die Anschrift von Schulze-Boysen und verhaftet ihn am 31. August 1942. Das Reichskriegsgericht verurteilt und ihn und seine Frau Libertas am 19. Dezember 1942 zum Tode. Auf Befehl Hitlers wird der Luftwaffenoffizier am Abend des 22. Dezember in Berlin-Plötzensee durch den Strang ermordet.
Literatur:
- Hans Coppi und Geertje Andresen, Dieser Tod paßt zu mir. Harro Schulze-Boysen – Grenzgänger im Widerstand, Berlin 2002
- Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Hans Coppi, Jürgen Danyel und Johannes Tuchel, Berlin 1994
- Die Napoleon-Schrift, weiteresArchivmaterial und Fotos befinden sich in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

