An der Schmölde bei Prieros
Die Schmölde verbindet den Langen See nördlich von Prieros mit dem Hölzernen See nördlich von Köris.
Hans Coppi, Hans Lautenschläger, Hermann Natterodt und Heinrich Scheel (Jahrgang 1915/16) hatten sich 1929 auf der reformpädagogische Schulfarm Scharfenberg im Tegeler See kennengelernt. Im Sommer 1934/35 fuhren sie, bis auf den verhafteten Hans Coppi, an die Schmölde bei Prieros. Auf einer abgelegenen Wiese trafen sie sich mit weitere Freunden, sangen ihre Lieder, redeten über Politik, Kultur, verbotene Bücher und tauschten sich über die Naziwirklichkeit aus. Abseits der proklamierten Volksgemeinschaft wahrten sie eine der Nazi-Ideologie entgegengesetzte kulturelle und politische Identität. Sie halfen einander, feierten, stärkten ihren Zusammenhalt, ihren Willen zur Selbstbehauptung in einer feindlichen Umwelt und suchten vorsichtig Kontakte zu anderen Hitlergegnern. So hatte Hans Lautenschläger Kontakte zur illegalen Grafischen Jugend.
Sie blieben in der Nazi-Zeit nicht nur ihrer Überzeugung treu, sondern vertieften sie in kleinen Studienzirkel. Die Begegnung mit parteiunabhängigen Marxisten von den „Roten Kämpfern“ bestärkten sie in ihrer regimekritischen Haltung. Sie entwarfen und verteilten Flugblätter, so zum „Röhm-Putsch“ Ende Juni 1934. Mitte der dreißiger Jahre wurde die Verteilung gefährlicher, die Resonanz geringer und der Draht zu anderen oppositionellen Gruppen riss ab. Immer wieder schlug es ein, wurden Verbindungsleute und Freunde verhaftet. Ein weiterer Scharfenberger war Ende 1935 inhaftiert worden. Ein letztes Flugblatt entstand zu den Ende März 1936 stattfindenden Reichstagswahlen.
Heinrich Scheel, Hans Coppi und Hans Lautenschläger hatten 1939/40 den Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen kennengelernt. Er bezog die „Scharfenberger“ in Aktionen gegen das Naziregime ein. Mitte September 1942 wurden sie verhaftet. Hans Coppi wurde zum Tode verurteilt. Die Todesurteile gegen Scheel und Lautenschläger wurden zur Bewährung in Strafkompanien der Wehrmacht ausgesetzt. Sie überlebten Fronteinsatz und Kriegsgefangenschaft.
Literatur
- Regina Griebel, Marlies Coburger, Heinrich Scheel: Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Eine Fotodokumentation, Halle 1992,
- Heinrich Scheel: Vor den Schranken des Reichskriegsgerichtes, mein Weg in den Widerstand, Berlin 1993
- Fotos und Flugblätter aus den Jahren 1934 und 1936 befinden sich in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

