Projektgruppe Oranienburg: Ein Theaterstück zur "Roten Kapelle"
Wer sind wir?
Wir, Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde Oranienburg im Alter von 12 und 13 Jahren, haben im September 2009 mit unserem zweijährigen Konfirmandenkurs begonnen. Wir kommen aus der Stadt Oranienburg, umliegenden Dörfern und aus der Stadt Berlin.
Bekenntnisse
Am Beginn unserer Konfirmandenzeit haben wir uns kennengelernt und sind thematisch
gleich zum Thema »Bekenntnis« übergegangen. Wenn wir uns am Sonntag vor Pfingsten 2011 konfirmieren lassen, bekennen wir uns zum christlichen Glauben und zu unserer Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche. Dieses Bekenntnis wollen wir nicht so einfach dahinsagen, es soll ehrlich sein. Aber was bedeutet es, sich zu bekennen? Hat ein Bekenntnis für uns heute auch Konsequenzen? An welchen anderen Orten und Stellen legen wir Bekenntnisse ab? Was bedeutet das für unser Leben hier und heute?
Über diese Fragen haben wir uns ausgetauscht und sind so auf das Projekt der Vereine Liebenberger Freundeskreis Libertas e.V. und Zeitpfeil e.V. über die »Rote Kapelle« gestoßen. Dabei haben wir festgestellt, dass Bekenntnisse Konsequenzen fordern. Ein persönliches Bekennt nis darf nicht einfach so dahingesagt werden. Darauf werden wir uns im Hinblick auf unsere Konfirmation in den kommenden Monaten intensiv vorbereiten. Wir werden Fragen des christlichen Glaubens diskutieren, unsere Fragen stellen und uns eine eigene Posi tion im Blick auf den christlichen Glauben erarbeiten. Dabei können uns geschicht liche Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus helfen. Wenn Menschen sich gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Verfolgung und Krieg bekannt haben, hatte dies für ihr Leben meist tragische und zum Teil tödliche Folgen. Dies ist heute nicht mehr in dem Maße der Fall, jedoch verlangt auch unser Bekenntnis Konsequenzen im täglichen Leben und Handeln.
Die Frauen und Männer der Freundes und Widerstandskreise der »Roten Kapelle« wussten um die Folgen ihres Bekenntnisses für den Fall, dass man sie enttarnen würde. Und dennoch haben sie an ihrer Überzeugung festgehalten und sich konsequent gegen das nationalsozialistische Regime bekannt. Dem gebührt unsere Anerkennung und Hochachtung. Aber wer war die »Rote Kapelle«? Welche Menschen steckten hinter dieser von der Gestapo verwendeten Bezeichnung? Welche einzelnen Schicksale sind mit diesem Namen ver bunden? Es sind ja immer Menschen, die hinter solchen festen Begrifen stehen.
Unser Projekt
Wir waren gemeinsam in der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand und haben unterschiedliche Biografien von Männern und Frauen kennengelernt. Sicherlich ein wenig älter als wir selbst, aber nicht viel. Es waren Menschen, die verliebt waren, gern Ausflüge im Land Brandenburg unternommen haben, miteinander gelacht haben, einander getröstet haben... Menschen wie wir! Das hat uns sehr beeindruckt. Und dies sowie die Lebensgeschichten der Einzelnen möchten wir anderen Menschen nicht vorenthalten.
Nach dem Besuch der Gedenkstätte und einem Workshop zum Thema Widerstand und Nationalsozialismus kamen wir auf die Idee, die Erfahrungen der Vergangenheit und unseres heutigen Lebens, mit ihren jeweiligen Bekenntnissen, in einem Theaterstück umzusetzen. Wir schreiben, gemeinsam mit dem Dramaturgen Sebastian Odin James, an einem Stück, welches auf zwei Zeitschienen verlaufen wird: Vergangenheit und Gegenwart. Anhand eines Gesprächs zwischen einem Großvater und seinen Enkeln wird die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert. Der Großvater erzählt die Geschichte der »Roten Kapelle« und ihrer Widerstandshandlungen. Er erzählt zum Beispiel über Libertas Schulze-Boysen, die innerhalb ihrer Tätigkeit bei der Deutschen Kulturfilmzentrale Filmmaterial über die NSVerbrechen sammelte.
Mit dem Theaterstück wollen wir unsere Fragen und Erkenntnisse im Hinblick auf Vergangenes und Gegenwärtiges reflektieren und gemeinsam zu Handlungsoptionen gelangen. Mit dem Theaterstück wollen wir den Zuschauern deutlich machen, dass auch heute keine Lippenbekenntnisse gefragt sind, sondern Worten Taten folgen müssen. Dafür stehen wir ein. Dies möchten wir gern weitervermitteln.
Wir freuen uns auf das Theaterstück, welches wir u. a. in Schulen vorstellen werden. Im Augenblick schreiben wir an dem Stück, lassen uns die notwendige Zeit, um qualitativ eine gute Arbeit zu leisten. Und wir träumen schon ein wenig von unserem ersten Auftritt und hoffen, Menschen für ein klares Bekenntnis begeistern zu können.

