Luckau

Im Herbst 1935 teilte der promovierte Sinologe Philipp Schaeffer (1896-1943) die Zelle mit Wilhelm Guddorf (1902-1943). Vor 1933 Redakteur an der „Roten Fahne“, beherrschte er mehrere europäische Sprachen. Guddorf lernte von Schaeffer Russisch und begann, auf dessen Anregung, sich mit Chinesisch zu beschäftigen. Schaeffer riet Wolfgang Abendroth, Persisch und Arabisch zu lernen, da es entsprechende Lehrbücher in der Zuchthausbibliothek gab. Auf diese Weise könne er sein Gedächtnis üben.

Nach ihrer Entlassung aus der Haft fanden Guddorf und Schaeffer Anschluss an den Widerstandskreis um den Referenten im Generalstab der Luftwaffe, Harro Schulze-Boysen (1909-1942). Sie wurden im Herbst 1942 verhaftet und Anfang 1943 zum Tode verurteilt.

Der religiöse Sozialist Adolf Grimme (1889-1963) war von 1930-1932 preußischer Kultusminister wurde Mitte Oktober 1942 verhaftet. Er war von August 1943 bis November 1944 in Luckau und bis zur Befreiung in Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert. Er wurde 1946 Kultusminister von Niedersachsen und 1948 Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks. Nach Adolf Grimme wurde der 1964 erstmalig vergebene Fernsehpreis des Deutschen Volkshochverbandes benannt.

Den Schriftsteller Günther Weisenborn (1902-1969), Freund und Mitstreiter von Harro Schulze-Boysen verurteilte , Das Reichskriegsgericht zu drei Jahren Zuchthaus, die er bis zum Mai 1945 in Luckau verbrachte. Kurze Zeit danach war er Bürgermeister in Langengrassau bei Luckau, arbeitete dann als Dramaturg und Schriftsteller. In dem 1946 aufgeführten Stück „Die Illegalen“ verarbeitete er eigene Erfahrungen. Ebenso im „Memorial“, ein Tage- und Gedenkbuch, in dem Erinnerungen aus dem Widerstand und der Haft einfließen und sich verbinden mit Episoden aus der Vergangenheit des Erzählers. Auf Grundlage des von Ricarda Huch zusammengetragenen Materials veröffentlichte er 1954 „Der lautlose Aufstand“, eine der ersten Publikationen über den deutschen Widerstand.

Gemeinsam mit Adolf Grimme und Greta Kuckhoff strengte Weisenborn 1947 einen Prozess gegen den Chefankläger des Reichskriegsgerichtes, Manfred Roeder, an. Dieses Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Lüneburg 1951 eingestellt.

Literatur

  • Günther Weisenborn, Memorial, Berlin 1974, Frankfurt am Main 1977
  • Günther und Joy Weisenborn, Einmal lass mich traurig sein. Briefe, Lieder, Kassiber 1942-1943,hrsg. v. E.Raabe,1989
  • Kai Burkhardt: Adolf Grimme (1889-1963), Köln/Weimar/Wien 2007
  • Hans Coppi, Philipp Schaeffer, Orientalist, Bibliothekar, Widerstandskämpfer, in: IWK, Heft 3/2005, S.366 - 386