Lehnitz
Der 1916 in Berlin geborene Hans Coppi besuchte von 1929 bis 1932 die reformpädagogische Schulfarm auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See. 1931/32 schloss er sich den "Roten Pfadfindern" und dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) an. Wegen illegalen Verteilens von Flugblättern gesucht, lebte er 1933 illegal und wurde Ende Januar 1934 verhaftet. Ende Februar war er sechs Wochen im KZ Oranienburg inhaftiert. Bis zur Auflösung im Juli 1934 wurden etwa 3.000 Menschen in der alten Brauerei inhaftiert. Nach einem Jahr im Jugendgefängnis Plötzensee wurde er Anfang September 1935 erneut „wegen Verbreitung verbotener Druckschriften“ zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte Verbindungen und zu dem Widerstandskämpfer Fritz Gabbe und seiner Frau Erna in Velten. Seit Ende 1938 arbeitete Hans Coppi als Dreher in einer Maschinenbaufabrik.
Hans Coppi und seine Scharfenberger Freunde kannten den in Berlin tätigen Buchhändler Georg Pinzke aus Lehnitz. 1940/41 stellten Hans Coppi und seine Frau Hilde, Ina Lautenschläger, Gretl Jaeger, Hanni und Richard Weißensteiner sowie Erika von Brockdorff im Bootshaus „Ägier“ bei der Familie Gaab ihre Faltboote unter.
Ina Lautenschläger erinnerte sich: „Der Ablauf der Sonntage in Lehnitz war gewöhnlich so, dass wir vormittags immer gemeinsam unterwegs waren, badeten, uns zusammensetzten, über die uns gemeinsam bewegenden Probleme diskutierten und für unsere weiteren Aktivitäten notwendige Absprachen trafen. (....) In den Schränken im Bootshaus hatten wir illegales Material, Flugblätter, Zeitungen und Bücher aufbewahrt.“
Über seinen Schulfreund Heinrich Scheel lernte Hans Coppi bei einer Wanderung im Summter Wald den Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen, kennen. Dieser gewann ihn im Juni 1941, eine Funkverbindung der Widerstandsorganisation in die Sowjetunion herzustellen. Diese kam trotz wiederholter Versuche wegen technischer Probleme nicht zustande. Coppi beteiligte sich an Flugblatt- und Zettelklebeaktionen. Den Mitte August 1942 aus Moskau eingetroffenen Fallschirmagenten Albert Hößler brachte er Ende August einige Tage in einem Zelt in Lehnitz unter. Kurz nach seiner Einberufung wurde Hans Coppi am 12. September 1942 in Schrimm bei Posen verhaftet, am 19. Dezember 1942 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 22. Dezember in Berlin-Plötzensee ermordet.
Erika von Brockdorff, Hilde Coppi, Ina Lautenschläger, Hanni und Richard Weißensteiner wurden ebenfalls verhaftet, Erika von Brockdorff, Hilde Coppi und Richard Weißensteiner im Jahre 1943 zum Tode verurteilt, Albert Hößler in der Gestapohaft ermordet.
Literatur
- Heinrich Scheel:Vor den Schranken des Reichskriegsgerichtes, mein Weg in den Widerstand, Berlin 1993
Fotos von Faltbootfahrten, Wanderungen und Berichte von Überlebenden befinden sich in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
In Lehnitz gibt es den Hilde-Coppi-Weg, der vom Havelkorso abgeht.

